| Mittelbayerische Zeitung vom 24.11.92 | |
| "Bei dem System verbrennt sich jede Ratte die Schnauze" | |
| Quartiers-Kompostierung in drei Gemeinden auf Prüfstand | |
| Haushalte ohne Garten erfaßt / Naturschützer zerstreut die Bedenken | |
Lappersdorf/Neutraubling (ldk). Im Rahmen eines Pilotprojektes, das der Umweltausschuß des Kreistages abgesegnet hat, wurde in Lappersdorf und in Neutraubling die Kompostierung im Heißrotteverfahren für Orte mit verdichteter Bebauung vorgestellt. Der Vertreter des Landratsamtes, Peter Kühn, und das zur fachlichen und wissenschaftlichen Begleitung beauftragte Ingenieurbüro, Professor G. Scharfenberg, erklärten mit Unterstützung von Naturschützern den Anwohnern der Wohnanlage Pielmühler Straße 34 die Funktion des Rotteverfahrens nach dem Erfinder Kurt Häfeli. Die Befürchtung einiger Lappersdorfer bezüglich Rattenbefall trotz richtiger Kompostierung wurde ausgeräumt. "Bei diesem System verbrennt sich jede Ratte die Schnauze", versuchte ein BN-Mitglied scherzhaft die Funktion zu erläutern. Die Konstruktion, die lediglich drei Quadratmeter Fläche erfordert, besteht aus einem Holzverschlag mit drei Kammern und einer rollbaren Abdeckung. Sobald mit der Füllung einer Kammer begonnen worden ist, wird die vorhergehende nicht mehr beschickt. Die optimale Nutzung der bei der Rotte entstehenden Wärme bewirkt eine hohe biologische Aktivität (rasche Setzung) und folglich geringen Platzbedarf sowie die Abtötung von Krankheitskeimen und Samen. Die Wiederverwertung von Kompost für die Rotte, wie es das System vorsieht, vermindert die Wasserverluste und macht Zusätze zur Rottebeschleunigung überflüssig. Die Betriebsweise und weitere Tips für die richtige Anwendung werden den 48 Wohneinheiten auf einem Flugblatt ausführlich beschrieben. Nach Aussage von Peter Kühn vom Landratsamt soll mit diesem Versuch im Rahmen eines Gesamtkonzepts auch für Haushalte ohne eigenen Garten die Möglichkeit zur Kompostierung geschaffen werden. Nach einem Jahr erfolgt eine Analyse des Saystems auf seine Funktionalität, deren Ergebnis den Gemeinden ls Grundlage für weitere Projekte zur Verfügung gestellt wird. Wegbegleiter für diesen Versuch in Lappersdorf sind das Ingenieurbüro Scharfenberg und die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz, die laufende Betreuung vor Ort und Untersuchungen, ob richtig kompostiert wird, gewährleisten. Die Aktion fand ein gemischtes Echo unter den Anwesenden. So befürchten einige Geruchsbelästigungen und, wie schon erwähnt, Rattenbefall. F. Scharfenberg konnte auch dahingehend beruhigen, daß durch das spezielle Heißrotteverfahren ein Befall der unerwünschten Nager ausgeschlossen werden könne. Das projekt sei eine großartige Idee, meinte ein Mieter, es müsse nur jeder mitmachen.Und genau darin sehe er ein großes Problem. Maria Scharfenberg, die Betreuerin dieses Projekts, erklärte, daß diese Art von Kompostierung in Regensburg sehr gut geklappt hätte (MZ berichtete!) und es auf jeden Fall einen Versuch wert sei. An der Spitze des ökologischen Fortschritts marschiert natürlich auch die Marktgemeinde Regenstauf. Bei den Anwesen Goethestraße 5 und 7 wurde die Quartiers-Kompostierung bereits aufgestellt, wie der am Rande mit dem Pilotprojekt befaßte Marktmitarbeiter Viehbacher gegenüber der MZ erklärte. Er betonte, daß zwar keine Speisereste wie Wurstzipfel, Knöckerl und Fleisch hier eingeworfen werden dürfen, wohl aber Küchenabfälle wie Kaffeesatz oder Bananenschalen. Bürgermeister Hans Zelzner wird der Anlage am Freitag um 15.30 Uhr seinen amtlichen Segen erteilen. |
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![]() Eine im Landkreis neue Art der Kompostierung wurde den Anwohnern der Wohnanlage Pielmühler Straße 34 in Lappersdorf vorgestellt. |
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